Anlagekommentar Oktober 2018 – Herbststurm an den Börsen

Anlagetipp

In den vergangenen Handelstagen hat sich der Kursabschwung an den internationalen Aktienbörsen nicht nur fortgesetzt, sondern zu allem Überfluss sogar noch verstärkt. Ob diese Abwärtsbewegung fundamental gerechtfertigt ist oder nicht – das interessiert in dieser Situation nur sekundär. Tatsache ist, dass wie so oft in der Vergangenheit in einer solchen Marktverfassung die Psychologie das Verhalten der Marktteilnehmer bestimmt. Die Kurseinbrüche sind jedoch maßlos übertrieben und auch fundamental als nicht gerechtfertigt einzuordnen.

Entwicklung der Anlagemärkte
Neue US-Zölle auf zusätzliche 200 Mrd. US-Dollar Importe aus China und ein rauerer Umgangston der beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt sorgten für eine Verschärfung des Handelskonflikts. Auch die aggressiveren Töne der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) zur weiteren Zinsentwicklung, überwiegend schwächere Wirtschaftsindikatoren, schleppende Brexit-Verhandlungen und der Konfrontationskurs der italienischen Regierung gegen die EU-Kommission sorgten bei den Investoren für Verunsicherung. Andererseits läuft in den USA läuft die Wirtschaft auf Hochtouren. Die Unternehmen verdienen prächtig, das Gewinnwachstum für das Jahr 2018 liegt mit über +20 Prozent auf rekordverdächtigem Niveau. Beflügelt von dem Steuersenkungsprogramm der Trump-Regierung und den fiskalpolitischen Impulsen ist vielfach sogar von einer Überhitzung der Wirtschaft die Rede. Die Monatsbilanz an den US-Aktienmärkten fiel deshalb auch etwas gemischt aus. Der marktbreite S&P 500 Index konnte mit 0,4 Prozent leicht zulegen, wobei der NASDAQ Composite Index dagegen einen Rückgang von 0,8 Prozent zu verzeichnen hatte.

In China dagegen, hat Regierung nach dem erneuten US-Zolldekret das Angebot zu neuen Verhandlungen ausgeschlagen und antwortete mit Gegenzöllen über 60 Mrd. US-Dollar auf amerikanische Importe. Daraufhin sorgten sich die Anleger vor einer bevorstehenden Wachstumsdelle und ließen den SSE Composite Index Mitte September 2018 auf den tiefsten Stand seit Januar 2016 abrutschen. Erst nachdem die chinesische Regierung eine Konsumstimulierung und Effizienzinitiative versprach, gab es eine Kehrtwende und der Index konnte den Monat September 2018 mit einem Zuwachs 3,5 Prozent beenden. Auch die japanischen Standardwerte verzeichneten kräftige Kursgewinne und eine schwächere Währung bescherten dem NIKKEI 225 Index einen Zuwachs von 5,5 Prozent.

DAX Entwicklung

Politische Sorgen, die wachsende Unsicherheit über den Brexit und die Stimmung der Industrieunternehmen in der Eurozone sorgten für einen durchwachsenen europäischen Aktienmarkt. Der DAX Index verlor fast ein Prozent und der norwegische OBX Index konnte aufgrund des gestiegenen Ölpreises um 3,7 Prozent zulegen. Bei den Staats- und Unternehmensanleihen konnte keine positive Stimmung verbreitet werden, denn die großen Notenbanken schlugen restriktivere Töne an. Nach der weithin erwarteten Zinsanhebung um 0,25 Prozent philosophierte die US-Notenbank über einen länger andauernden Zinserhöhungspfad. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf über 3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte mit, die monatlichen Anleihekäufe ab Oktober 2018 auf 15 Mrd. Euro zu halbieren, und zeigte sich optimistisch bezüglich des Inflationsausblicks. Die Unsicherheiten über das italienische Staatsbudget sorgten im September 2018 für einen Renditeanstieg der langlaufenden deutschen Staatsanleihen auf 0,14 Prozent und auch die japanische Notenbank Bank of Japan (BoJ) kündigte an, die Käufe ultralanger Anleihen demnächst zurückzufahren.

Die Eurozone ist heute widerstandsfähiger als 2010
Die Wirtschaft in Italien ist mit einem BIP, das immer noch über 5 Prozent unter dem Niveau von 2008 liegt, der klare Nachzügler unter den größeren Volkswirtschaften des Euroraums. Der geplante italienische Staatshaushalt für 2019 sieht ein Defizit von 2,4 Prozent vor, was über den Erwartungen, aber unter der Maastricht-Grenze von 3 Prozent liegt. Die Defizite der Staatshaushalte aller wichtigeren Eurozone-Länder liegen im Rahmen der Grenze von 3 Prozent, ganz anders als zu Beginn der Schuldenkrise im Jahr 2010. Die Leistungsbilanzsalden der Staaten der Eurozone sind aktuell positiv oder nur leicht negativ. Auch der institutionelle Rahmen zur Krisenbekämpfung wurde in den letzten Jahren durch Anleihen-Käufe der EZB, Europäischer Stabilitätsmechanismus ESM und die europäische Bankenunion gestärkt. Ebenso sind die Bankbilanzen nun insgesamt solider als 2010. Dies erklärt, warum die Haushaltsprobleme Italiens die übrigen europäischen Anleihen-Märkte nur wenig tangiert haben. Die nachlassende Fiskaldisziplin in Italien kann deshalb nicht als systemisches Risiko für Europa erachtet werden.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Trotz der aktuellen Kursturbulenzen, kann weiterhin davon ausgegangen werden, dass in der aktuellen Situation Aktien und Unternehmensanleihen meist besser als Staatsanleihen und Fest- oder Tagesgeldern abschneiden. Denn die Wirtschaft in den USA und in Europa wächst und die Arbeitslosenquote sinkt weiter. Der Inflationsrate sollte jedoch eine gewisse Aufmerksamkeit  geschenkt werden, ob die aktuellen Anstiege nur temporär oder nachhaltig sind. In Bezug zu den anstehenden Zinserhöhungen in den USA zeigt eine Betrachtung vorangegangener Episoden von Fed-Zinserhöhungen, dass die Finanzmarktrisiken in diesen Phasen nicht überdurchschnittlich hoch waren. Auch wenn diese Einschätzung eine hohe Gewichtung von Risikoanlagen, wie Aktien und Unternehmensanleihen nahelegen würde, ist derzeit eine neutrale Allokation sinnvoll. Auch die Nutzung von monatlichen Sparplänen in Aktien und Unternehmensanleihen (Cost Average Effekt) kann bei mittel- und langfristigen Anlagestrategien dafür sorgen, dass die derzeitigen Kursschwankungen zur Renditeerhöhung genutzt werden können.

Die Marktstimmung wird in den kommenden Monaten weiter durch die Trends in den Schwellenländern und in der U.S. Handelspolitik geprägt werden. Das Risiko einer spürbaren Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China auch bei weiteren Einschränkungen im Handel können als begrenzt angesehen werden, da China sowohl mittels einer gelockerten Geldpolitik als auch mit steigenden Staatsausgaben gegensteuern kann. Die nachlassende Fiskaldisziplin in Italien oder wirtschaftliche Turbulenzen in der Türkei stellen aus heutiger Sicht keine systemischen Risiken für Europa dar. Der U.S. Aktienmarkt wird bezüglich Gewinnwachstum weiter am besten positioniert sein, während die Schwellenländer und Europa überproportional von nachlassenden globalen Risiken profitieren würden.

Die Dividendenwerte sorgen weiterhin für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Die Schwellenländermärkte bleiben weiterhin als Beimischung interessant. Hierbei gilt weiterhin Asien als die am besten positionierte aufstrebende Region, wo ein langfristiges positives Ertrags-Risikoverhältnis erwartet werden kann. Aber auch der japanische Markt und die Aktienmärkte von Zentral- und Osteuropa sind bei einer langfristigen Anlagestrategie einen Blick wert. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen.

Anlagemärkte Entwicklung

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Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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