Abgeltungsteuer vor dem Aus?

Steuern

Seit 1. Januar 2009 gilt die Abgeltungsteuer für die Besteuerung von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen in Deutschland. Es ist gut möglich, dass ihr Stündlein bald geschlagen hat. Denn Finanzminister Wolfgang Schäuble spielt inzwischen öffentlich mit dem Gedanken, die Abgeltungsteuer zu kippen. Viele Sozialdemokraten sind ohnehin schon längst dieser Meinung und die Grünen drängen, denn aus ihrer Sicht ist die Abgeltungsteuer „ungerecht und wirtschaftspolitisch unsinnig.

Idee der Abgeltungsteuer ist nicht mehr zeitgemäß
Besser 25 Prozent von x als 42 Prozent von nix. Mit diesem Slogan hatte der damalige Finanzminister Peer Steinbrück seine SPD von der Notwendigkeit der pauschalen Abgeltungsteuer überzeugt. Damals war klar, dass Milliarden an unversteuertem Vermögen auf ausländischen Konten schlummerten, von denen der deutsche Fiskus nichts zu sehen bekam. Doch Steuer-CDs, die von Staatsanwaltschaften ausgewertet wurden, scharenweise Selbstanzeigen und Nachversteuerungen in Milliardenhöhe, die Aufgabe des Bankgeheimnisses in so mancher EU-Steueroase und zu guter Letzt der ab 2016 geltende automatische OECD-Informationsaustausch zu Kapitaleinkünften machen eine Abgeltungsteuer obsolet.

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Anleger und Sparer umdenken müssen

Kommt es tatsächlich zur Abschaffung, könnte das bitter für viele Anleger und Sparer werden. Denn bis zur Einführung der Abgeltungsteuer gab es bei Kursgewinnen mit den allermeisten Papieren (Ausnahmen waren die so genannten Finanzinnovationen) eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Langfristige Anleger, welche die Papiere länger hielten, wurden für ihre Treue steuerlich belohnt und konnten realisierte Kursgewinne steuerfrei einstreichen.

Und noch etwas gilt es zu bedenken: Anders als früher befinden wir uns heute in einer Minizinsphase historischen Ausmaßes. Gleichzeitig wird den Bürgern immer wieder eingetrichtert, private Vorsorge für später sei wichtig. Von den Minizinsen würde dann auch für viele Bürger, die zwar einen persönlichen Steuersatz von mehr als 25 Prozent haben, aber keinesfalls Spitzenverdiener sind, nach Steuer weniger übrig bleiben als bisher.

Deshalb ist es wichtiger denn je, für die privaten Altersvorsorge Anlageformen zu wählen, die mehr Rendite versprechen als Festgeld & Co., damit vom Ersparten nach Steuern und Inflation noch ein wenig übrig bleibt, das man Vermögensaufbau nennen kann.

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