er Investmentfondsmarkt ist in Bewegung – Darauf sollte man als Anleger bei Neuerscheinungen achten

Gewinne und Verlusste Geldanlage

Blickt man in die Vergangenheit, dann kann man festhalten, dass die Finanzmärkte schon seit Jahren in Bewegung sind. Ob Subprime-Krise, geopolitische Krisen oder andere Auslöser – Gründe gibt es viele. Das alles ist nicht ohne Folgen für die Anleger. Sie leiden seit Jahren unter der Niedrigzinsphase und eine klassische Risikominimierung im Portfolio ist heutzutage unter akzeptablen Bedingungen kaum noch möglich. Was über Jahrzehnte galt, hat heute seine Bedeutung verloren: Klassische Anleihen mit hoher Bonität können keine Hilfestellung mehr bieten.

Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter reagieren darauf mit vielen Neuerscheinungen
Ist dies Aktionismus oder nur eine sinnvolle Reaktion auf die vom Markt vorgegebenen Rahmenbedingungen? Die Netfonds AG hat recherchiert, dass allein seit 2017 über 1.500 neue Fonds aufgelegt wurden. Die Mehrheit der Neuemissionen sind Aktienfonds, aber auch in anderen Bereichen gab es signifikante Neuerscheinungen. Beispielsweise im Bereich der sogenannten alternativen Strategien. Wer in Investmentfonds anlegen möchte, hat eine schier unendliche Auswahl. Mit allen Nebenklassen zählt beispielsweise die Datenbank von Morningstar bereits über 60.000 Fonds. Aber auch ohne Nebenklassen geht die Anzahl der in Deutschland zugelassenen Fonds in Richtung 20.000. Auf den ersten Blick könnte man bei der bereits hohen Anzahl an existierenden Fonds annehmen, dass der Markt schon gesättigt ist. Jedoch offenbaren sich auf den zweiten Blick gute Gründe für weitere Fondsauflagen.

Neu aufgelegte Fonds nach Anlageklassen

Die Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter müssen flexibel bleiben
Der Hauptgrund für die Vielzahl der derzeitigen Neuerscheinungen ist, dass Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter flexibel auf die sich verändernde Marktsituationen reagieren müssen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Zentralbankenpolitik der niedrigen Zinsen dazu geführt, dass in diesem Bereich verstärkt nach Alternativen gesucht wird. Darüber hinaus gibt es weitere Gründe. Gewinnen bestimmte Märkte an Wichtigkeit, wie das beispielsweise mit China oder anderen Emerging Markets in den vergangenen 15 Jahren der Fall war, ist es nur die logische Konsequenz, dass hier mehr Investmentfonds aufgelegt werden. Auch ist zu beobachten, dass Fonds häufig bereits im Ausland existieren und erst im Nachhinein in Deutschland zum Vertrieb zugelassen werden. Häufig handelt es sich dabei um solche Fonds, die ihre Expertise bereits unter Beweis stellen konnten. Die Erwartungen an neue Fonds sind hoch und man sollte sich immer Fragen, ob nur ein aktueller Modetrend verfolgt wird oder neue Marktgegebenheiten erschlossen werden.

Manche Anbieter verfolgen fragwürdige Trends oder Modeerscheinungen
Nicht selten folgen Fondsgesellschaften einem Trend. Läuft ein Thema besonders gut in den Medien oder fließen hier überdurchschnittlich viele Gelder ein, weil die Renditezuwächse stark sind, neigen Gesellschaften häufig dazu, mit eigenen Produkten nachzuziehen. Angesichts des großen Wettbewerbs im Markt ist das nachvollziehbar. Für Anleger ist hier Vorsicht geboten. So hat die Berliner Ratingagentur Scope bereits 2014 nachgewiesen, dass die meisten Fondsauflagen immer dann stattfinden, wenn der zugrunde liegende Markt bereits „heißgelaufen“ ist.

Aktienfonds sind bei Neuemissionen klar in der Mehrzahl
Was hat sich seit 2017 im Markt für Investmentfonds getan? Welche Produkte wurden aufgelegt? Die Auswertung der Netfonds AG zeigt, dass es insgesamt rund 1.500 neue Fonds gibt. Davon entfallen 39 Prozent auf die Kategorie Aktien. Ein Fünftel dieser 39 Prozent geht auf das Konto der weltweit anlegenden Aktienfonds ohne eindeutige Stilausrichtung (Blend). Das ist nicht verwunderlich, denn solche Aktienfonds stellen insgesamt auch bei den bereits bestehenden Investmentfonds die Mehrheit. Rund ein Viertel (377) entfällt auf Anleihenfonds. Hier fällt auf, dass ein signifikant hoher Anteil (rund 100 Fonds) dem Bereich „High Yields“ zuzuordnen ist. Angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase ist das ein logischer Schritt – die Fondsgesellschaften reagieren auf sich verändernde Marktgegebenheiten.

Interessant ist auch ein Blick auf die Mischfonds. Sie machen rund 19 Prozent der Neuauflagen aus. 45 Prozent der aufgelegten Mischfonds entfallen auf defensive beziehungsweise moderate Strategien. Nicht minder interessant ist auch die Tatsache, dass es bei sogenannten „alternativen Strategien“ (zum Beispiel marktneutrale Strategien, Long/Short, Volatilität …) ebenfalls eine deutliche Zunahme gibt. 198 Produkte wurden in diesem Bereich aufgelegt. Das zeigt, dass die Nachfrage nach alternativen Auszahlungsprofilen zugenommen hat. Erwartungsgemäß stellen Fonds, die eine Kombination verschiedener Strategien durchführen („Multistrategy“), die größte Position. Bemerkenswert ist, dass es bei Immobilienfonds sieben neue Produkte gibt. Das hört sich zunächst einmal nicht nach viel an. Bedenkt man jedoch, dass hier ohnehin nicht viele Fonds auf dem Markt vorhanden sind, relativiert sich die Zahl.

Global ausgerichtete Investments sind deutlich in der Überzahl
Welche geografischen Bereiche wurden am stärksten berücksichtigt? Von den rund 1.500 neu aufgelegten Fonds entfallen 60 Prozent auf die Kategorie „global“. 16 Prozent legen ihren Investitionsschwerpunkt auf Europa (und einzelne europäische Länder). Und 13,7 Prozent der neuen Produkte decken Schwellenländer ab.

Börsenzyklus und Verhalten Anleger

Und wie sieht es in der Zukunft aus?
Das kann man natürlich nicht vorhersagen. Aber eine interessante Erkenntnis ist, dass die Ratingagentur Scope im Jahr 2013 berechnet hat, dass rund 60 Prozent aller neu aufgelegten Fonds die ersten fünf Jahre nicht überleben. Die Besten setzen sich eben durch, könnte man meinen. Da es hier jedoch Ersparnisse für die Altersversorgung oder anderer persönlich wichtiger Dinge geht, sollte man sich nicht von Modeerscheinungen oder anderen fragwürdigen Trends blenden lassen. Bei der Geldanlage geht es weniger um Marketing, sondern um Fakten und richtige Strategien. Vor 10 Jahren hat man beispielsweise über Afrikafonds kaum gesprochen, heute werden sie zur Anlage empfohlen. Entscheidend ist deshalb immer die persönliche Anlagestrategie. Ein Afrikafonds diente damals, wie auch heute nicht als Basisanlage im Portfolio. Aber bei einem größeren Anlagevolumen, war es damals wie auch heute eine gute Beimischung.

Fazit
Eine Geldanlage ist immer nur so gut, wie sie zur Anlagestrategie passt. Man muss für sich definieren, wo man hin möchte. Ratschläge am Stammtisch über den „Geheimtipp“ sind da meistens nicht zielführend. An der Börse geht es immer rauf und auch wieder runter. Dies ist ein Naturgesetz. Die meisten Anleger steigen ein, wenn der Markt oben ist und bekommen kalte Füße, wenn der Markt fällt. Dazu kommt, dass zu Hochzeiten an der Börse keine Gewinne realisiert werden und diese für den nächsten Einbruch als Einstiegskapital bei günstigen Kursen wieder zur Verfügung steht. Ein Modetrendfonds kann kurzfristig bei richtiger Verwendung durchaus als „Renditebringer“ eingesetzt werden. Wer auf einen konstanten und langfristigen Erfolg setzt, sollte sich dagegen für Fonds interessieren, die schon einmal einen Börseneinbruch und eine Börsenhochphase erlebt haben. Es gibt ausreichend Investmentfonds die seit 10, 20 oder 30 Jahren einen guten Ertrag erwirtschaften und gezeigt haben, dass sie in guten und schlechten Zeiten eine ansprechende Leistung abgeliefert haben.

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Mit Fondssparplänen den Vermögensaufbau gestalten
Das Leben ist zu kurz, um auf steigende Zinsen zu warten!
Mit Dividenden der Zinsflaute trotzen

Bildnachweis

Quelle: Netfonds AG

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Der Investmentfondsmarkt ist in Bewegung – Darauf sollte man als Anleger bei Neuerscheinungen achten | KrausFinanz

  2. Pingback: Anlagekommentar Dezember 2019 - An den Akt | Geldanlage-Blog

  3. Pingback: Zitat des Tages am 13. Februar 2020 von Marc Aurel | Effizienz-Blog

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*