Der Coronavirus und die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte

Gewinne und Verlusste Geldanlage

Ein Virus hat selten eine größere Wirkung an den Finanzmärkten ausgelöst. Inzwischen erreicht die Anzahl der weltweit Infizierten etwa 214.890 Fälle, wovon in Deutschland bisher 12.327 Fälle bestätigt sind (Stand: 18.03.2020, 20:00 Uhr). Es kommen stündlich neue Meldungen hinzu. In der Folge des Ausbruchs des COVID-19 und der folgenden globalen Ausbreitung ausgehend von China kam es zu einer Neubewertung an den Finanzmärkten und in der Bewertung der weiteren Konjunkturaussichten in der Weltwirtschaft.

COVID 19 – Alles in Aufruhr – Eine Bestandsaufnahme!
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen lag der maximale Rückgang des DAX Index ausgehend von den kürzlich markierten Höchstkursen bei ordentlichen 27,6 Prozent. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sank auf -0,47 Prozent. Gold wertet in der Krisensituation dynamisch um gut 177 Euro ab. Weder der japanische Yen, noch der Schweizer Franken konnten ihrer Krisenrolle am Devisenmarkt gerecht werden. Auch der US-Dollar konnte nicht reüssieren. Der „Safe-Haven-Status“ zog aktuell nicht. Gegen jede Erfahrung wertete der Euro gegenüber den Hauptwährungen auf. Anders ausgedrückt versagten klassische Korrelationen im aktuellen Umfeld in einem Umfang, der als markante Anomalie klassifiziert werden muss. Das primäre Problem, dem die Welt sich ausgesetzt sieht, ist die mit der Pandemie verbundene gefühlte Unsicherheit, in wie weit beispielsweise die globalen Produktionsprozesse in Mitleidenschaft gezogen werden. Zu den wirtschaftlichen Folgen gibt es auf quantitativer Basis Aussagen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der OECD. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) werden die Einbußen des globalen Wachstums per 2020 bei circa 0,1 – 0,2 Prozent liegen. Am 2. März lieferte die OECD eine revidierte Prognose, die 0,5 Prozent unterhalb der bisherigen Vorhersage lag. Beide Institutionen verwiesen gleichzeitig auf die Risikobehaftung dieser aktuellen Prognosen.

Eintagesverluste Dow Jones Industrial Average

Bei COVID-19 handelt es sich um einen aggressiven Virenstamm, der leicht übertragbar ist. Es gibt gegen das Virus keine Medikamente von der Stange. Impfstoffe sind auf Sicht nicht verfügbar. Die Sterberate ist mit 3,4 Prozent deutlich höher als bei einer herkömmlichen Grippe bei circa 0,1 – 0,2 Prozent. Aktuelle Erfahrungswerte zeigen, dass in 80 Prozent der Fälle der Verlauf der Grippe unkritisch ist. 15 Prozent der Fälle sind problematisch (Lungenentzündung). Die restlichen 5 Prozent sind kritisch. Betroffen sind vor allen Dingen vorerkrankte ältere Personen (Herz- Kreislaufprobleme). Die Sterberate ist aber weitaus geringer als bei SARS mit 9,6 Prozent oder bei MERS mit 37,5 Prozent. China liefert Indikationen über den weiteren möglichen Verlauf. Die Reaktion in Wuhan und der Provinz Hubei, wo das Virus erstmalig in Erscheinung trat, erfolgte spät. Die Provinz Hubei ist das Epizentrum der Erkrankung. Von derzeit 89.198 Infizierten kommen 67.103 aus Hubei. Von den global zu beklagenden 3.048 Todesfällen kommen 2.803 aus der Provinz Hubei. Die Letalitätsrate stellt sich in Hubei auf 4,2 Prozent.

Es wird weder die Welt, noch werden die Finanzmärkte untergehen
Anders ausgedrückt ergaben sich ex Epizentrum bisher 245 Todesfälle bei 22.095 Infektionen auf globaler Ebene. Daraus leitet sich eine Sterberate von circa 1,1 Prozent ab. Das Muster ex-Hubei ist für den größten Teil der Welt hinsichtlich der verfügten Prophylaxe weitaus wahrscheinlicher als das Szenario Hubei. Aber in Ländern, deren öffentliche Ordnung weniger ausgeprägt ist und deren Gesundheitssystem Mängel aufweist (auch USA) sind die Risiken höher. Die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben massive Folgen für Mensch und Wirtschaft. Das soll nicht klein geschrieben werden. Diese Folgen sind jedoch temporärer Natur. Ökonomisch bremsen diese Maßnahmen. Das öffentliche Leben wird eingeschränkt und gestört. Der Konsum geht zurück. Reise- und Messetätigkeit wird minimiert. Lieferketten sind eingeschränkt, mindestens aber bedroht. Die durch diesen exogenen Effekt des Ausbruchs des Coronavirus angerichteten Schäden lassen sich nicht vollständig aufholen. Sie werden aber zu guten Teilen aufgeholt werden.

DAX mit Kurseinbruechen

Das wäre anders, wenn es sich um ein endogenes wirtschaftliches Problem handeln würde. Hier handelt es sich um ein exogenes, ein von außen wirkendes, Problem. Entsprechend wird weder die Welt, noch werden die Finanzmärkte untergehen. 7,7 Milliarden Menschen wollen versorgt sein. Von Seiten der Politik und der Zentralbanken erreichten uns zu Monatsbeginn aufbauende Töne. Die Bereitschaft, unterstützend einzugreifen, ist erkennbar. Konjunkturprogramme, individuelle Programme für betroffene Unternehmen (Deutschland Kurzarbeitergeld) zusätzliche Liquidität und Zinssenkungen sind beschlossene oder auf der Agenda stehende Maßnahmen. Fraglos setzen alle diese Maßnahmen nicht bei der Ursache an. Sie wirken gegen die Symptome.

Die ins Auge gefassten Konjunkturprogramme gekoppelt mit Aufholeffekten bieten makroökonomisch ein solides Wachstumsbild der Weltwirtschaft in der Zukunft. Zu erwartende Zinssenkungen und Liquiditätsmaßnahmen vermindern global den Diskontierungsfaktor für alle anderen Anlageklassen, beispielsweise Aktien oder Immobilien.

Fazit
Die Welt wird nicht an COVID-19 scheitern. Die Frage ist nur, wann der Höhepunkt der Gesundheitskrise durch diese schwere Grippe erreicht ist. Die sich anschließende Frage ist, ab wann der Markt die Potentiale bezüglich der ordentlichen verringerten Bewertung attraktiver Aktiva wahrnehmen wird.

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